Wer parkt, schickt eine SMS
Von Jutta Rippegather
Die Wiesbadener haben es schon am
längsten. Mainz führte es Anfang Mai ein. Auch Darmstadt und Hanau
wollen noch in diesem Jahr das sogenannte Handy-Parken ermöglichen.
Dann fehlen noch die anderen Städte im Rhein-Main-Gebiet: Rüsselsheim,
Bad Homburg, Friedberg, Offenbach, Hofheim zum Beispiel – und
Frankfurt. Schlössen die sich auch an, dann wäre das bundesweit erste
Regionalportal fürs Handy-Parken komplett.
Profitieren würden vor allem die Autofahrer: Sie bräuchten kein
Kleingeld für den Parkautomaten, müssten sich zeitlich nicht festlegen.
Wer parkt, verschickt am Anfang und Ende der Parkzeit per Mobiltelefon
jeweils eine SMS. Die Abrechnung erfolgt fast minutengenau und kommt
einmal im Monat.
"In erster Linie dient es der Bequemlichkeit", sagt der Mainzer
Wirtschaftsdezernent Franz Ringhoffer (FDP). Mit ihm haben sich 250
andere Mainzer in den ersten zwei Wochen registrieren und eine Vignette
fürs Auto schicken lassen. Mainz ist die erste Stadt, die sich des
Portals bedient, das die Regionalgesellschaft IVM (Integriertes
Verkehrs- und Mobilitätsmanagement Region Frankfurt Rhein-Main)
eingerichtet hat.
Die Nutzer haben acht verschiedene, im Wettbewerb stehende Anbieter zur
Wahl. Diese nehmen vom Kunden einen kleinen Service-Obolus, kassieren
die Parkgebühren und leiten sie an die Kommunen weiter, denen kaum
zusätzliche Kosten entstehen. Allein die Kontrollgeräte der
Hilfspolizisten müssen umgerüstet werden. "Die Kosten dafür halten sich
in Grenzen", sagt IVM-Geschäftsführer Jürg Sparmann. Die neue Plattform
ermögliche jeder Kommune, zeitnah und ohne großen Aufwand das
Handy-Parken einzuführen. Und nicht nur ihnen: Mittelfristig hofft die
IVM auch die Betreiber privater Parkhäuser für das einheitliche System
zu gewinnen.
Doch jetzt steht erstmal Wiesbaden in den Startlöchern. Nächsten Monat
will die Landeshauptstadt dem Regionalportal beitreten. Handy-Parken
gibt es dort bereits seit vier Jahren – allerdings mit nur einem
Anbieter als Monopolisten. Acht Prozent der Parkscheine seien
inzwischen elektronisch, sagt Uwe Conrad vom Tiefbauamt. Eine Zahl, die
gewiss wüchse, wenn die Parkenden aus Mainz hinzu kämen.
"Vielfachnutzer, jüngere Leute und Technikverliebte" – das sei die
Gruppe derer, die für das neue Angebot zu gewinnen seien. Die anderen
werden nicht gezwungen, sich umzustellen, wie Joachim Porada von der
IVM versichert: "Die Straßenverkehrsordnung verbietet es, Parkschein-
automaten abzubauen."
Selbst wenn die beiden Systeme auf absehbare Zeit parallel existieren,
wird der Wartungsaufwand geringer. Die Automaten brauchen seltener
Papier-Nachschub, die Geldkassetten sind nicht so schnell voll. Conrad:
"Das ist schon ein bisschen weniger geworden."
Wenn sich die anderen Städte im Rhein-Main-Gebiet angeschlossen haben,
ist für die IVM übrigens nicht Schluss. Geht es nach ihr, macht das
Portal bundesweit Schule. Dann wäre auch der Erwerb eines Tickets für
Köln oder Berlin möglich. Denn auch in diesen Städten gibt es schon
Handy-Parken.
Quelle: Frankfurter Rundschau.